Presseberichte

Schmieriger Untergrund beflügelt viele Pedalritter

Schlamm. Dreck. Morast. Die Waldwege rund um Spiegelberg hatten unter den Regenfällen der vergangenen Tage ganz schön gelitten. Kein Problem war das für die rund 750 Teilnehmer am 6. Lautertal-Bikemarathon. Ganz im Gegenteil: Manchen Pedalritter schien der schmierige Untergrund regelrecht zu beflügeln.

Radler, so weit das Auge reicht:
Der Lautertal-Bikemarathon durch die Wälder
rund um Spiegelberg erfreute sich auch
bei seiner sechsten Auflage größter Beliebtheit.
Foto: B. Strohmaier

Von Alexander Hornauer

Ganz am Ende, wenn die Akkus schon auf Reserve laufen, müssen die Mountainbiker einen letzten knackigen Anstieg hinauf zum Sportplatz bewältigen. Eine Stelle, an der niemand gerne absteigt – rein theoretisch. Schließlich hat sich hier der halbe Ort zum Anfeuern versammelt. Gestern freilich kapitulierte trotzdem so mancher Radler – weil die Hinterräder die Pferdestärken einfach nicht mehr auf die Piste brachten. „Den Gang für diesen Anstieg hab ich heute nicht dabei“, rief der eine. Und ein anderer ergänzte: „Das ist zu viel für das Schaltwerk.“ Schämen musste sich dafür freilich keiner. Auch wer sein Rädle die letzten Meter hinaufschob, bekam wohlwollenden Applaus.

Die Zuschauer honorierten den Einsatz der Sportler, die sich über eine Runde, zwei oder drei Runden mit jeweils 27,6 Kilometern und 739 Höhenmetern gequält hatten. Die Nässe hatte zusätzliche Kraft gekostet. Mancher Wiesenweg, der bei Trockenheit in flinkem Tempo zu bewältigen gewesen wäre, triefte nur so vor Nässe. Selbst die breitesten Stollenreifen zogen Rillen. Gerade recht kam den meisten Startern da die Verpflegungsstation kurz vor Großhöchberg. Die bienenfleißigen Helfer von der Jugendfeuerwehr verteilten isotonische Getränke, Powerriegel und Bananen. Das verlieh für den zweiten Teil der Strecke neuen Schwung.

Nachdem bis hier hin die Bergauf-Passagen dominiert hatten, ging es nun tendenziell wieder runter ins Lautertal. Wer aber glaubt, das wäre einfacher, täuscht sich gewaltig. So mancher steile Single-Trail forderte viel Konzentration. Es rollte entspannt, dafür waren Bäume im Weg. Auch nasse Wurzeln entpuppten sich als nicht zu unterschätzendes Risiko. An einigen Stellen hatten die Bremsen absolute Schwerstarbeit zu verrichten. Den einen oder anderen legte es trotzdem aufs Kreuz. Ärgerlich für den Moment, beim Talk im Ziel aber ein schönes Thema. Selbst Ortskenntnis schützte vor Absteigern nicht – frag nach bei Uwe Bossert. Ausgerechnet Spiegelbergs Bürgermeister, der sich in den heimischen Wäldern bestens auskennt, rutschte ins wohl tiefste Schlammloch am Wegesrand. Mit dem nun alles andere als weißen Dress krabbelte Bossert – von einem hilfsbereiten Mitstreiter unterstützt – aus der Kuhle, machte sich mit energischem Blick wieder auf die Hatz über die Räuberwege.

Noch rasanter waren die Athleten unterwegs, die den Sieg über die einzelnen Distanzen anpeilten. So mancher Biker, der sich auf der „Schnupperrunde“ schon mächtig verausgabt hatte, erschrak fast, wenn die Fortgeschrittenen mit ihren roten und schwarzen Nummern von hinten angeschossen kamen und den Berg, den sie selbst eben nur unter Aufbieten aller Reserven bezwungen hatten, im Fluge zu nehmen schienen. Selbst die Hinterräder drehten da irgendwie nicht durch.

Im Ziel waren die meisten Mountainbiker zufrieden. Auch wenn so mancher bei diesen Bedingungen nicht an die Bestzeit aus dem Vorjahr heran kam. „Ziel verfehlt“, meinte ein drahtiger Mitfünfziger und befreite die Kette vom groben Dreck: „Dafür haben wir dieses Jahr eine Menge zu erzählen und Spaß hat es fast noch mehr gemacht.“ Das freute auch den Veranstalter, den Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Spiegelberg. Dessen Vorsitzender Siegfried Rosenberger sowie die Helfer an der Strecke und im Ziel bekamen viel Lob. Das ist freilich nichts Neues, denn das gibt es schon seit sechs Jahren. So lange gibt es den Bikemarathon, der längst einen hervorragenden Namen in der Szene hat. Kein Wunder, dass sich viele Radler direkt nach ihrer Ankunft erkundigten, ob sie sich nicht direkt für das nächste Jahr anmelden könnten.

Link zur BKZ-Mein Spiegelberg 2011

Eine Schinderei, die süchtig macht

Beim Start sind die Mountainbiker noch guter Dinge gewesen.Avanti

Spiegelberg Alle Teilnehmer lassen sich beim Lautertal-Bikemarathon von den seifigen Waldwegen nicht beeindrucken. Von Melanie Reh

Leute, das ist doch echt ärgerlich hier. Wieso mach ich das?", rief der Fahrer mit der Startnummer 628, während er sich mit rotem Kopf aus dem Wald heraus in Richtung Zielgerade kämpfte. "Weiß nicht, aber ich will jetzt nur noch ein Weizen", hechelte der Fahrer mit der Nummer 505 lächelnd zurück. Der Schweiß in seinem Gesicht suchte sich unterdessen verzweifelt von der Stirn einen Weg, herum um die vielen Schlammspritzer, über die Wangen bis hinunter zum Kinn. Das kurze Stück bergab ließ das Duo die Räder rollen, erst unten am Eck, vor dem letzten knackigen Anstieg, traten die Hobby-Mountainbiker wieder in die Pedale. Ein lautes gequältes "Ah" vernahm man dann nur noch von ihnen. Die Luft für einen kurzen Plausch ging da den meisten endgültig aus. Denn ganz am Ende, wenn bei vielen die Akkus auf Reserve liefen, musste hinauf zum Sportplatz noch einmal ein kleiner gemeiner Anstieg genommen werden. Das ist eben der Lautertal-Bikemarathon.

André Korcz hatte seine zwei Runden bereits hinter sich gebracht. Die Arme vor dem Körper verschränkt stand er da und betrachtete sein schwarzes, ja eher schon schlamm-braunes Bike. "Ich mach"s nie wieder", schüttelte er den Kopf und fügte nach einer kurzen Pause hinzu: "Das ist doch pure Schinderei." Ja, der Bikemarathon artete für so gut wie alle wieder einmal in wahre Schwerstarbeit aus.

Matsch, Schlamm, Morast - die Waldwege rund um Spiegelberg hatten es nach den starken Regenfällen der vorangegangenen Tage in sich. Jede schmale Wurzel, jedes kleine Ästchen konnte da bei einem Downhill-Stück eine nahezu nicht bremsbare Rutschpartie auslösen. Höchste Konzentration für die Fahrer, Schwerstarbeit für die Bremsen. Doch auch manch ebener unscheinbarer Trail über die grüne Wiese wurde zur Herausforderung. Denn selbst hier hatte der Regen seine Folgen hinterlassen. Auch die breitesten Stollenreifen sanken in den vor Wasser nur so triefenden Rasen ein. Ein kräftiger Tritt war da schon nötig um noch zügig voran zu kommen. Aber: "Das weiß man ja schon, wenn man hier teilnimmt", erklärte Bernd Rettenmaier aus Stuttgart mit einem Grinsen.

Wie viele andere ist Rettenmaier sozusagen Stamm-Teilnehmer. Doch auch diese waren nicht vor unvermuteten, aber zum Glück harmlosen Stürzen gefeit. Selbst der oberste Herr des Ortes, Spiegelbergs Bürgermeister Uwe Bossert, legte sich aufs Kreuz. Er rutschte in ein Schlammloch am Wegesrand und war auf einen hilfsbereiten Mitstreiter angewiesen, um im rutschigen Matsch wieder auf die Beine zu kommen. Mit seinem nun alles andere als weißen Dress überquerte er einige Zeit später leicht frustriert die Ziellinie. "Das war nicht ganz so gut", zog er sein persönliches Resümee. Nach einer warmen Dusche konnte er wieder lächeln und hatte nur lobende Worte für die Schlammschlacht mit dem Mountainbike: "Viel Matsch, alle sind mit Spaß dabei, das ist eine tolle Veranstaltung für den Schwäbischen Wald."

Viel Matsch - den begutachtete nach Minuten auch noch André Korcz auf seinem Bike. Während andere versuchten, das Zweirad schnellstmöglichst vom braunen Dreck zu befreien, starrte Korcz das "Mitbringsel" an. "Das bleibt erst einmal so. Das ist meine persönliche Trophäe", strahlte der Mann aus Schwäbisch Hall.

Schlamm als reine Siegprämie hätte Daniel Gasthof nach drei Runden und damit 82,8 zurückgelegten Kilometern wohl nicht akzeptiert. Er gewann in diesem Jahr nämlich nach 3:25:03 Stunden die rutschige Hatz über die matschigen Räuberwege. Allerdings nur hauchdünn vor Daniel Aspacher. Denn der Allmersbacher raste nur sechs Sekunden nach Gasthof über die Ziellinie. Bereits im letzten Jahr war dem 36-Jährigen der Sieg vor der Nase weggeschnappt worden. Damals allerdings noch um 180 Sekunden.

Ein paar Sekunden hin oder her, war für die meisten Teilnehmer jedoch völlig egal. Sie freuten sich, überhaupt im Ziel angekommen zu sein und hatten allesamt mal wieder viel Lob für den Veranstalter, den Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Spiegelberg, übrig. So hätten sich die meisten am liebsten sofort wieder für das nächste Jahr angemeldet, Schlamm hin oder her. Auch André Korcz gesteht: "Ich glaub, ich mach die Schinderei wieder."
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2010

Mit Karacho über Wurzeln und Schlammlöcher


Der Lautertal-Bikemarathon, der so gar nicht heißen dürfte, lockt rund 750 Mountainbiker auf die anspruchsvolle Rundstrecke um Spiegelberg

Der Lautertal-Bikemarathon in Spiegelberg ist für die Mountainbiker der Region längst ein Pflichttermin. Rund 750 Starter haben gestern den anspruchsvollen Kurs durchquert. Die einen mit sportlichen Ambitionen. Die anderen, um die herbstliche Strecke zu genießen.


So ein Pech: Ein Defekt, und das mitten auf der Strecke. Gemeinsam ist er aber gleich behoben und die flotte Fahrt kann weitergehen.

Hatten keine Zeit für die herbstliche Idylle des Schwäbischen Waldes: Die Teilnehmer des Spiegelberger Mountainbikemarathons.
Fotos: J. Fiedler

Von Alexander Hornauer

Markus Gstalter aus Unterweissach fährt wirklich gerne Rad. Rennrad halt. Schön über den Asphalt flitzen. Im Windschatten des Vordermanns ein bisschen ausruhen. Mountainbike? Mit wurzelübersäten Wegen, gemeinen Hügeln im Wald, mit Schlamm, Matsch und viel Dreck? Na ja. Überreden hat er sich lassen, der Gstalter, um des guten Friedens willen macht er halt mit. Weil es die Kameraden so wollen. Eine gute Viertelstunde ist’s noch bis es los geht. Er schnauft mit seinem robusten Drahtesel den steilen Buckel in Spiegelberg (Spiegel-„Berg“) hinauf und orientiert sich in Richtung der Startlinie. „Jetzt bin ich grad mal den halben Buckel hoch und scho’ gschafft“, sagt Gstalter. Aber einfach umdrehen, den Drahtesel wieder im Auto verstauen und nach Hause düsen, gemütlich frühstücken und lauschen, was Udo Lattek bei der Weißbierrunde erzählt, dafür ist es jetzt zu spät. Kneifen gilt nicht. Jetzt muss er los auf den kniffligen Kurs. 735 Höhenmeter stehen ihm bevor. Und dabei hat er es noch gut getroffen. Einsteigerrunde, nur 27,6 Kilometer. Die Freaks unter den 750 Radsportlern nehmen sich das Dreifache vor: 82,8 Kilometer, 2205 Höhenmeter.

Dass der Bikemarathon in Spiegelberg nach dem Lautertal benannt worden ist, täuscht über den wahren Charakter der Strecke hinweg. Gerade am Anfang gehts ein paar Hundert Meter dem gemächlich fließenden Bach entlang. Aber dann. „Groß“-„Höch“-„Berg“, Klein-„Höch“-„Berg“ und zur Krönung einmal rund um „Dauern“-„Berg“. Die Namen der Dörfer entlang der Strecke sind Programm. Hoch und runter geht es auf den Räuberwegen durch den Schwäbischen Wald. Die Ungeübten fluchen. Die Fitteren haben ihre helle Freude. Mit Karacho schießen sie die Trails hinunter, überspringen Wurzeln und Matschlöcher. Bergauf heißt es, den richtigen Gang zu finden. Wer Kraft sparen will und deshalb zu weit runterschaltet, der bleibt ruckzuck stecken. Wer zu wenig schaltet und den hohen Gang auf Teufel komm raus durchdrücken will? Auch.

Schnell trennt sich die Spreu vom Weizen. Die früher gestarteten Dreirundler überholen die Freizeitsportler, die sich eine Runde vorgenommen haben. Während die gemütlich Radelnden an der Verpflegungsstation kurz vor Großhöchberg ein bisschen langsam machen und ein wenig plaudern, versuchen die Ambitionierten in voller Fahrt einen Energieriegel zu ergattern. Nicht allen gelingt es und der Hungerast am nächsten Anstieg ist vorprogrammiert. Andere verlässt die Konzentration. Endlich eine Abfahrt, jubeln sie. Doch die haben es in sich. Einmal nicht aufgepasst, und schon droht ein Meeting mit dem Tannenbaum. Oben, beinahe am höchsten Punkt der Strecke, befindet sich ein besonders anspruchsvoller Trail. Links am Baum vorbei oder rechts, das bedeutet für viele auch: Weiterfahren oder stürzen. Ein paar Ortskundige wissen das und haben sich an der Stelle eingefunden. Mit anfeuernden Rufen und mitleidigen Aufmunterungen quittieren sie die Bemühungen der Athleten. Einen haut’s vom Rad. „Macht doch hier mal ein bisschen sauber“, ruft er den Schaulustigen zu. Er hat Glück, sein Sturz bleibt ohne Folgen. Wieder rauf aufs Rad und weiter radeln. „Dafür gibt es eine gute B-Note“, ruft ihm ein Schlachtenbummler nach. Ein anderer Athlet müht sich mit einem nur ein wenig gelände-getunten Rennrädle durch den Wald. Die Fans staunen, der Sportler spult sein Standardsprüchle ab: „Federn sind was fürs Bett, aber nix zum Fahrrad fahren.“ Eine Außenseitermeinung.

Die anderen sind für eine gute Federung ganz dankbar. Und dafür, dass sich ganz am Ende der Strecke viele Zuschauer einfinden. Denn ehe es entlang des Spiegelberger Sportplatzes auf die Zielgeraden geht, haben die Organisatoren noch einmal eine ganz fiese Steigung eingebaut. Rund 50 Meter am Stück geht es steil bergauf. Jeder zweite steigt ab. Das Wort vom „Materialberg“ macht die Runde. So manches Schaltwerk gibt angesichts der extremen Belastung kurz vor dem Ziel den Geist auf. Ketten fatzen. Uwe Bossert lässt sich die Anstrengungen nicht anmerken. Der Hausherr macht am Schlussanstieg einen guten Eindruck, die Zuschauer treiben ihn an. Mit Schwung fährt er über den Zielstrich. „Acht Minuten schneller als vergangenes Jahr“, rechnet Spiegelbergs radelnder Schultes vor und freut sich: „Das Training hat sich gelohnt.“

Ein paar Meter weiter lehnt Markus Gstalter entspannt an seinem Rädle. Er nuckelt ein wenig an der Trinkflasche: „Als ich vergangene Woche geübt habe, war es viel schlammiger. Heute war die Strecke viel einfacher zu befahren.“ Gut, dass er eine Viertelstunde vor dem Start nicht einfach wieder umgedreht hat.



2010

Ausdauer-Radler haben keinen Blick für die Idylle des Lautertals

Spiegelberg Vom Geheimtipp zum Muss der Mountainbike-Szene: Der fünfte Lautertal-Bikemarathon ist ein Selbstläufer. Von Melanie Reh
 
Goldgelbe, hellrot leuchtende und grün schimmernde Blätter auf denen sich die feinen Sonnenstrahlen spiegeln. Im Schatten der großen Bäume ein hellbraunes Eichhörnchen, das zufrieden an seiner Nuss knabbert. Ein wahrhaftig idyllischer Anblick im Lautertal.

Doch diesen Anblick konnten am Sonntag nur die zahlreichen Zuschauer auf dem mehr als 27 Kilometer langen Rundkurs des Bikemarathons genießen. Den rund 700 Teilnehmern blieben bei den fiesen Anstiegen und waghalsigen Abfahrten kaum Zeit, die Eindrücke der Umwelt auf sich wirken zu lasen. Konzentration und Motivation war angesagt. Denn das ständige Auf und Ab stellte sich wieder einmal als ein wahres Waterloo für die Muskulatur, insbesondere in den Waden, heraus. Den inneren Schweinehund galt es zu überwinden.

Vor allem bei den 70 Mountainbikern, die die drei Runden, also die insgesamt 82,8 Kilometer lange Strecke gewählt hatten. Sie hatten insgesamt beachtliche 2205 Höhenmeter zu bewältigen. Die Mehrheit der Fahrer hatte sich allerdings für zwei Runden entschieden, und knapp 300 Sportler wählten die Option, lediglich eine Runde mit 735 Höhenmetern zurückzulegen. Egal für welche Strecke sich die Teilnehmer entschieden hatten, angefeuert wurden sie vom Publikum am Streckenrand natürlich alle. Auch wenn manch nett gemeinter Zuruf, wie "Los Kerle, treppel!", angesichts der zu bewältigenden Höhenmeter ziemlich gemein erschien.
 
Los ging es für alle Fahrer auf dem Spiegelberger Sportgelände. Mit dabei auch Spiegelbergs sportlicher Bürgermeister Uwe Bossert. Er ließ es sich nicht nehmen, selbst eine Runde durch den Schwäbischen Wald zu drehen und erreichte nach etwas weniger als zwei Stunden wieder das Sportgelände. Da befand sich der Heidenheimer Stephan Schiele, Sieger dreier Lautertalmarathons, bereits wieder auf dem Weg Richtung Spiegelberg. Der Unterschied: Er war schon auf der zweiten Runde und absolvierte danach noch die dritte. Gerade einmal durchschnittlich 1:10 Stunden benötigte er für eine Runde.

Mit seiner ersten Runde von 1:07:09 Stunden war er sogar eine Minute schneller als Steffen Ade, der Sieger über die 27 Kilometer. Damit unterbot Schiele mit seiner Endzeit von 3:27:37 Stunden seine Leistung vom vergangenen Jahr. Fast noch beeindruckender war allerdings das Duell, das sich der 35-Jährige mit dem zehn Jahre jüngeren Daniel Aspacher lieferte. Die beiden lagen bis zur finalen Runde gleichauf. Erst auf den letzten Kilometern konnte sich Schiele einen Vorsprung von drei Minuten herausfahren.

Doch in Spiegelberg ging es nicht nur um schnelle Zeiten. Vor allem Breitensportler hatten den Weg ins Lautertal gefunden. Das Teilnehmerlimit von 750 Startern war drei Wochen nach dem Anmeldebeginn erreicht. Am Start standen dann nicht nur Fahrer aus dem Bottwartal und dem Rems-Murr-Kreis, sondern gar aus Bayern, Thüringen und der Pfalz. Ob der Zuspruch durch die romantische Landschaft, den anspruchsvollen Kurs oder die reibungslose Organisation der 200 Helfer hervorgerufen wird, weiß Oliver Bürker, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Spiegelberg und somit die Spitze des Organisationsteams, nicht: "Ich denke, es ist ein Mix aus allem. Mit unserem Event sprechen wir eben alle Zielgruppen an."

Und fast alle Starter wollen deshalb auch im nächsten Jahr wieder dabei sein. Wer weiß, vielleicht schaut auch das Eichhörnchen wieder vorbei.


2009

Ein wahres Waterloo für die Muskulatur

Fiese Anstiege und die selektiven Abfahrten machen den annähernd 700 Startern in Spiegelberg sehr zu schaffen

Von Markus Stricker

Der Sonntagmorgen präsentiert sich nasskalt und ziemlich ungemütlich. Nebelschwaden ziehen aus den Wäldern, tiefhängende Wolken verhüllen den Juxkopf. Ein Wetter bei dem man eigentlich keinen Hund vor die Türe jagt. Eigentlich, denn in Spiegelberg herrscht schon zu früher Stunde Ausnahmezustand. Annähernd 700 Biker und zahlreiche Zuschauer pilgern ins Lautertal. Sie machen die vierte Auflage des Lautertal-Bikemarathons zu einem absoluten Erfolg.

Angesichts dieses Schmuddelwetters sind Winterklamotten angesagt, aber Mountainbiker sind harte Hunde. So werden kurz vor dem Start noch schnell Jacken und Ärmlinge ausgezogen und den Betreuern in die Hand gedrückt. Kälte hin oder her, die Starter wissen, was auf sie zukommt. Die Strecke ist berüchtigt für ihre fiesen Anstiege und die selektiven Abfahrten, bei denen mancher noch mehr ins Schwitzen kommt. Dieses ständige Auf und Ab ist ein rechter Schlauch und ein wahres Waterloo für die Muskulatur. Krämpfe und verhärtete Wadenmuskeln gehören zu diesem Rennen genauso wie Schlammpackungen und Tannennadelpiercings. Dennoch war die Veranstaltung heuer in der Rekordzeit von nur vier Wochen völlig ausgebucht. Aus Bayern, aus der Pfalz und sogar aus Thüringen sind Fahrer am Start.

Liegt es an der wildromantischen Landschaft im hintersten Winkel des Rems-Murr-Kreises, am anspruchsvollen Kurs, an der reibungslosen Organisation oder an der begeisternden Freundlichkeit der über 200 Helfer? Man muss den Hut vor den Veranstaltern von der Freiwilligen Feuerwehr Spiegelberg ziehen – denn was da gestemmt wurde, ist aller Ehren wert. Das Event hat sich von einem Geheimtipp zu einem Muss der hiesigen Bikerszene entwickelt.

Die Bedingungen auf der Strecke sind trotz der ausgiebigen Regenfälle der letzten Tage erstaunlich gut. Zum Glück, denn der Rundkurs ist auch so ziemlich hart. 700 Höhenmeter pro Runde sind kein Pappenstil. Es gehört schon ein gerüttelt Maß an Masochismus dazu, gleich drei Runden zu absolvieren. Nur die Harten kommen in den Garten, respektive ins Ziel. Es ist schlicht und ergreifend beeindruckend, mit welchem Tempo die steilen Stiche hoch gebolzt werden. Puls am Anschlag, beißen und fighten, was das Zeug hält. „Papa gib Gas, du bist Letzter“, motiviert ein Sohnemann seinen deutlich im anaeroben Bereich fahrenden Vater. „Net bremsa Karle, trebbla“. Die Kommentare der Zuschauer sind teilweise so gemein wie die Anstiege. Trotzdem findet das Gros der Teilnehmer einen Konsens zwischen sportlicher Leistung und Fun. Nur ein paar übertreiben und benehmen sich auf der Strecke wie die Wildsäue.

Mit zunehmender Zeit wird der Rundkurs jedoch immer schmieriger, der Dreck setzt sich im Schaltwerk fest. Die Traktion lässt nach. Stürze sind die Folge, die aber größtenteils glimpflich ausgehen. „Sind noch alle meine Zähne drin“, fragt eine Bikerin, die dummerweise eine der nassen Wurzeln unterschätzt hat. Entwarnung, die Beißerchen sind heil. Nach einer Schrecksekunde gibt die schlammverschmierte Sturzpilotin schon wieder Gas.

Den Schweinehund überwinden gehört einfach dazu. Der permanente Kampf gegen die innere Stimme und die kunterbunte Vielfalt an Teilnehmern machen den Reiz dieses Rennens aus. Ultraleichte Carbonboliden versus steinalte Hardtails. Profis im sportlichen Wettkampf mit ambitionierten Hobbybikern und Freizeitradlern, die nicht so recht wissen, auf was sie sich da eingelassen haben. Irgendwie geben alle ihr Letztes – quer durch alle Altersstufen. Gerade mal 15 ist der jüngste Teilnehmer. Roland Braun aus Oberstenfeld ist mit seinen 70 Lenzen der Älteste. „Schee war’s“, lächelt der durchtrainierte Rentner. „Klar bin ich nächstes Jahr wieder mit dabei. Natürlich nur, wenn ich dann noch lebe und meine Freundin mich lässt.“ Mountainbiker sind halt harte Hunde.


2009

Erschöpfte Gesichter nach 2200 Höhenmetern

Steile Anstiege und rasante Abfahrten haben den Fahrern beim
vierten Lautertal-Bikemarathon alles abverlangt.

privat

Großbottwar/Spiegelberg Stephan Schiele gewinnt den Lautertal-Bikemarathon. Von Melanie Reh 

Bei typisch kühlem Herbstwetter versammelten sich am Sonntagmorgen knapp 700 Starter zum vierten Lautertal-Bikemarathon. Stephan Schiele, einer der rund 100 Sportler, die sich dazu durchrangen, die Höchstzahl von drei Runden zu absolvieren, erreichte nach 3:34:03 Stunden zum dritten Mal in Folge als Erster das Ziel.

Matschige Spuren, anspruchsvolle Abfahrten und steile Anstiege mit insgesamt über 2200 Höhenmetern hatten die Radsportler auf der längsten Strecke mit insgesamt 82,8 Kilometer beim Lautertal-Bikemarathon in Spiegelberg zu bewältigen. Das war so richtig hart und ging den meisten Fahrern bereits in der ersten Runde auf die Beine. Der erste steile Anstieg mit knappen 16 Prozent sortierte sogleich aus. Lediglich Daniel Aspacher konnte sich an den Favoriten Stephan Schiele anhängen. Vier weitere Fahrer konnten einigermaßen Sichtkontakt halten. Der Rest des Feldes riss schnell ab.

In dieser Konstellation traten die Extremradsportler auch die nächste Runde an. Dennoch, die knackigen Anstiege und rasanten Abfahrten auf den Spiegelberger Räuberwegen hinterließen ihre Spuren. Das Feld zog sich weiter auseinander, die Gruppen wurden kleiner. Bis zur letzten Runde fuhr nahezu jeder Fahrer sein eigenes Rennen. Nach mittlerweile drei Rennstunden kämpften die Radsportler folglich nur noch mit sich selbst, den Schmerzen in den Beinen und den schwindenden Kräften. Die letzten 20 Kilometer über Wald- und Schotterwege galt es somit nur noch irgendwie zu überstehen: Plätze gut zu machen hatte keiner mehr im Sinn. Starr den gequälten Blick nach vorne, die Gliedmaßen in Bewegung halten - das war das Ziel. Einfach strampeln. Wenn es denn nach knapp 80 Kilometern noch einfach wäre. So manch einer kam die letzte Auffahrt bis ins Stadion kaum noch hoch. Die zahlreichen Zuschauer am Streckenrand gaben jedoch alles und versuchten, jeden Sportler mit ihren Anfeuerungsrufen über die Ziellinie zu tragen. Völlig ausgepumpt und entkräftet fielen die meisten nach Überquerung der Ziellinie vom Rad.

Stephan Schiele meisterte die Marathondistanz zum dritten Mal in Folge als Schnellster. Nach 3:34:03 Stunden, gut dreieinhalb Minuten vor Daniel Aspacher, radelte er im Zielraum ein. "Eine tolle Zeit hat er wieder hingelegt", lobte Mitorganisator Alexander Fleig, der Kämmerer von Großbottwar, den 34-Jährigen. Insgesamt konnten Fleig und Oliver Bürker, Kommandant der Freiwilligern Feuerwehr Spiegelberg, aber auch stolz auf sich selbst sein. Bereits mehrere Wochen zuvor war das Limit von 750 Startern erreicht gewesen - ein starkes Indiz für den Beliebtheitsgrad der Veranstaltung. Und auch nach dem Event hörte man von allen Teilnehmern nur Positives: "Eine perfekt Veranstaltung", "Super Strecke", "Tolle Helfer", "Ausgezeichnete Durchführung". Auch Rüdiger Schmidt, der zum ersten Mal am Lautertal-Marathonrennen teilnahm, zeigte sich im Ziel zugleich erschöpft und begeistert: "Eine super Organisation und eine tolle Strecke." Für ihn wird es nicht der letzte Marathon am Spiegelberg gewesen sein.

Alexander Fleig und Oliver Bürker planen nach all dem Lob eine Fortsetzung im nächsten Jahr: "Wir sind rundum zufrieden. Es ist optimal verlaufen, die Strecke wurde von den Fahrern besser als im Vorjahr empfunden." Der fünften Auflage des Lautertal-Bikemarathons im Jahr 2010 steht somit nichts entgegen.